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Einführung in die Kulturwissenschaften. Theoretische Grundlagen – Ansätze – Perspektiven

31jox2ba7yql_sl160_aa115_von Frank-Peter Hansen

Wer diese Einführung liest riskiert, endgültig seinen Verstand zu verlieren. Das klingt hart, begründet sich aber wie folgt. Zum einen werden hier lediglich noch dazu „multiperspektivische Interpretationsmodelle“ mit unglaublich viel Terminologie und Neologismen angeboten. Warum? Weil, zum wievielten Male eigentlich?, die Geisteswissenschaften in eine Krise geraten sind oder sein sollen. Langsam möchte man vorschlagen: Wenn das ganze Unternehmen so krisenanfällig ist, warum in Gottes Namen legt man den ganzen Krempel nicht endlich zu den Akten? Weil man dazu entschlossen ist, mehr oder weniger wie gehabt weiter zu machen. Darum! Dies zumal dann, wenn man des weiteren erfährt, daß keiner so genau weiß, was die Kulturwissenschaft eigentlich genau ist. Also bastelt man weiter an seinem Selbstverständnis, wenn auf annähernd 400 Seiten über etwas verhandelt wird, von dem die mit ihm Beschäftigten nicht zu sagen wissen, was es ist. Soviel nur soll sicher und über jeden Zweifel erhaben sein: Die Kulturwissenschaftler gibt es, sie treiben etwas, aber die „Konturen“ und das „Profil“ ihres Treibens sind „trotz (oder wegen?) der Fülle von Publikationen noch recht unscharf“. Man möchte den in dieses heillose Tun Involvierten zurufen: Setzt euch hin, denkt nach, und wenn ihr dann etwas Gescheites herausgefunden habt, bringt es zu Papier und veröffentlicht es, wenn ihr dafür einen Verlag findet! Daß sie allerdings nie etwas Gescheites herausfinden werden hat mit ihrem Verständnis von Wissenschaft zu tun. Man erfährt, daß Wissenschaft ausnahmslos „selbstreferentiell“ ist. Sie ist, im Verständnis der Beiträger dieses Bandes, ein „diskursives Konstrukt“, „das auf unterschiedlichste Weise problematisiert, erforscht und beschrieben“ werden kann. Ist das nun die oben beschworene Krise? Oder ein Mittel dagegen? Oder beides? Egal und wie auch immer, viel wichtiger ist: Der wissenschaftlichen Befassung würdige Gegenstände existieren nicht etwa, sondern sie werden „nach Maßgabe bestimmter Erkenntnisinteressen, Fragestellungen, theoretischer Vorannahmen und Modelle durch konzeptuelle und terminologische Differenzierungen konstruiert bzw. ‚erfunden‘.“ Diesen Satz muß man sich ganz einfach auf der Zunge zergehen lassen. Denn was steht geschrieben? Kurz und bündig: Wissenschaft ist eine Ansammlung von Vorurteilen, mittels derer man herausfindet, was man herausfinden will, bzw. sich seinen Gegenstand willkürlich konstruiert oder auch ganz einfach erfindet. Wenn das stimmt, bleibt allerdings zu fragen, warum immerzu von diesen Konstruktionsbeflissenen über die Unbestimmtheit und Krisenanfälligkeit dieser Nicht-Disziplin gejammert wird, wo sie doch, ihrer wissenschaftstheoretischen Prämisse gemäß, von ihnen erfindungsreich und selbstreferentiell, tagaus, tagein ins Werk gesetzt wird. Denn: „Eine Wissenschaft spricht nicht über Gegenstände, sondern über Phänomene und Probleme. Und diese gibt es nicht ‚an sich‘, sondern nur für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.“ Stimmt! Also kein Lamento über Krisen, Unbestimmtheit des Gegenstandes, den ihr euch doch, so euer eigenes Selbstverständnis, nur zu geben braucht, um ihn, in welcher Gestalt auch immer, für den jeweiligen Eigenbedarf zu haben. Im Vergleich zu diesem wüsten Treiben sind Spiele von einer geradezu unglaublichen Exaktheit, weil man sich für gewöhnlich beim Spielen an das vorgeschriebene Regelwerk hält. Also noch einmal: Diesem „Begriffsbeben, das die Wissenschaft erregt“ – steht genauso geschrieben, und zwar ohne jede Selbstironie – sollte man sich nicht freiwillig überlassen. Es sei denn, man will seinen Verstand verlieren und/oder in diesen (Nicht-) Disziplinen, warum auch immer, seinen Abschluß machen. Aber das hatten wir bereits.

„Einführung in die Kulturwissenschaften. Theoretische Grundlagen – Ansätze – Perspektiven“, hrsg. von Ansgar Nünning u. Vera Nünning, Verlag J. B. Metzler, Stuttgart u. Weimar 2008, ISBN 978-3-476-02237-0, 392 S., 19,95 Euro

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Stallion Batallion von The Boss Hoss

Von Bastian Buchtaleck
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Musikalisch sind „The Boss Hoss“ schon immer ihren eigenen Weg gegangen. Wollte man sie anfänglich milde belächeln – eine deutsche Band, die Country spielt und dabei bekannte Pop-Songs covert – beweisen sie mit den 19 Tracks ihres dritten Albums „Stallion Batallion“, dass es hierzulande eine echte Sehnsucht nach punkigem Country-Rock gibt. Während sie in ihren ersten beiden Alben hauptsächlich andere Songs nachspielten, legen sie im aktuellen Album mehrere eigene Kompositionen vor, die längst mit den Cover-Versionen mithalten können.
Schon das Titellied „Stallion Batallion“ klingt nach dem wüsten Genremix von Country, Rock’n'Roll und Punk, der die Berliner Band auszeichnet. Die sieben Musiker spielen sowohl Instrumente, die man klassischerweise dem Country zuordnen würde, wie das Waschbrett oder die Mundharmonika, als auch elektrische Rock-Gitarren. Man kennt auch den nasal-erzählenden Tonfall von typischen Country-Sängern. Die Sänger der Band Boss Burns und Hoss Power treffen diesen Tonfall sehr gut und lassen zugleich die kratzige Kehle des Rock deutlich anklingen.
Reinhörtipps sind die Lieder „High“ und „José and Myling“. „High“ würde textlich einer Reggae-Band viel besser zu Gesicht stehen, da in diesem Lied ironisch-lustvoll die Wirkung von Marihuana besungen wird. Darin heißt es, so viele Dinge seien zu erledigen – „But I’m high – and it’s the best thing I ever had“ – Dinge, die dann liegen bleiben. Die bei „José and Myling“ erzählte Geschichte ist genauso wild, wie die Musik. Zumindest dem Namen nach kommen Jo?e und Myling aus zwei Kulturkreisen und doch finden sie als Paar zusammen, genau wie die Musik verschiedene Genres vereint.
Bezeichnend für die unerschrockene Haltung ist auch das Cover des electroclash Songs „Gay Bar“ der Performance-Sängerin Peaches. Eigentlich eignet sich dieser Song gar nicht für Country-Musik, doch genau das zeichnet „The Boss Hoss“ aus. Ihre Cover-Versionen leben weniger von den bekannten Vorbildern und mehr von dem Boss-Hoss-Sound. Gerade darin liegt die Stärke der Band: Was sie auch tun und spielen, ihr Stil, dieser anarchische Genremix, ist unverkennbar.
Mit „Stallion Batallion“ ist „The Boss Hoss“ ein sehr gutes Album gelungen und die Mischung aus elf Eigenkompositionen und acht Cover-Songs birgt Abwechslung. Es ist nicht nur für Country-Fans interessant, sondern eine Bereicherung für jede Party. Letztlich haben sie sich Boss Hoss – um es mit einer Übertreibung zu sagen – nicht dem Publikumsgeschmack angepasst, sondern sich ihre Hörer geschaffen. In diesem Sinne: Höre das Album, entdecke deinen inneren Cowboy – auf die Pferde, an die Stromgitarren, fertig, los!

The Boss Hoss: Stallion Batallion, Island/ Universal Music, 19 Tracks, ASIN B000W34PX8

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